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Landkreisjournal Nr.096/2016

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Erscheinungsdatum: 11.11.2016

12 Ausgabe 96 11.

12 Ausgabe 96 11. November 2016 Informationen Landkreis-Journal Amtsblatt Landkreis Görlitz Die Rückkehr des Bibers in die östliche Oberlausitz In Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde möchte der Landschaftspflegeverband „Oberlausitz“ e. V. zur Umsetzung der FFH – in Verbindung mit der SPA- Richtlinie* der Europäischen Union informieren. Beide Richtlinien widmen sich dem europaweiten Schutz von Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensräumen. Dieser Beitrag behandelt die Rückkehr des Bibers in die Oberlausitz, der aufgrund der Aufführung in den sogenannten FFH-Anhängen einen strengen Schutz nach dem Bundesnaturschutzgesetz genießt. Die Rückkehr des Bibers ist aus Sicht des Naturschutzes eine ausgesprochene Erfolgsstory. Zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde der letzte Biber südlich von Görlitz bei Weinhübel bzw. Deutsch Ossig gefangen (Grafik roter Kreis). Nach knapp 200 Jahren konnten erstmalig bei Zodel im Jahr 1999 wieder Biber nachgewiesen werden (Grafik grüner Kreis). Seitdem breiten sich die Tiere zunehmend entlang der Neiße, aber auch der Spree mit dem Weißen und Schwarzen Schöps, aus. Das momentan südlichste Biberrevier befindet sich bei Drausendorf, zwischen Zittau und Hirschfelde, an der Neiße. Es wird vermutet, dass die Biber über die Oder bzw. die Elbe und deren Nebenflüsse in die Oberlausitz eingewandert sind. Weiterhin ist nicht ausgeschlossen, dass auch Biber vom polnischen Biberspuren an einer mehrstämmigen Stieleiche bei Ludwigsdorf an der Neiße. Gerade im Winter kommt es verstärkt dazu, dass Biber Bäume fällen, um an die nahrhafte Rinde zu kommen. Queis stammen, an dem sie 1997 gezielt durch Menschen angesiedelt wurden. Sie breiten sich hauptsächlich entlang von Fließgewässern aus und bewegen sich nur selten über größere Strecken an Land. In der Regel entfernen sich Biber kaum mehr als 20 Meter von einem Gewässer. Biberspuren sind mittlerweile fast durchgängig entlang der Neiße zu finden – mit Schwerpunkt nördlich von Görlitz. Als reine Vegetarier nutzen sie vom Frühjahr bis Herbst ein breites Spektrum an Gräsern, Kräutern, Wasserpflanzen und frischen Gehölztrieben. Im Winter zehren sie von angelegten Nahrungsvorräten und nutzen hauptsächlich Rinde, Zweige und dünne Äste. In dieser Phase können frische Biberspuren besonders gut an den Gewässern beobachtet werden. Als dämmerungs- und nachtaktive Tiere ist deren Beobachtung in der Natur jedoch oft eine Glückssache. Neben den Baumfällungen sind Biber vor allem für ihre Bauwerke bekannt. Im Landkreis Görlitz beschränkt sich die Bautätigkeit auf die Anlage von Erdhöhlen an den Gewässerufern. Diese sind oft nur schwer zu erkennen, da sich deren Eingänge in der Regel unter dem Wasserspiegel befinden. Deutlich seltener baut der Biber Dämme, um Gewässer, die ihm nicht ausreichend tief sind, anzustauen. Durch den erhöhten Wasserstand kann er besser die Eingänge zu seinen Erdhöhlen verbergen und Nahrungsflächen lassen sich so schwimmend erreichen. Biberburgen sind aktuell im Kreisgebiet noch nicht bekannt. Dort wo menschliche Aktivitäten bis ans Gewässerufer heranreichen, können auch Konflikte mit Bibern auftreten. So können Felder überflutet und gewässernahe Feldfrüchte zur Ernährung genutzt werden. Nutzholz (Forst), Obstbäume, Ziergehölze und Anpflanzungen sind ohne ausreichenden Schutz in unmittelbarer Gewässernähe gefährdet. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Konflikte mit dem Biber vorsorgend zu vermeiden. Schutzzäunungen bei Neupflanzungen in Biberrevieren sollten Pflicht sein. Beim Schutz von Gehölzen in gewässernahen Parkanlagen haben sich Elektrozäune bewährt. Weil Biber unter strengen Schutz stehen, ist das Fangen und Töten der Tiere ebenso verboten, wie die Beschädigung oder Zerstörung seiner Wohnbaue und Biberdämme. Um aber Überflutungen von angrenzendem Nutzland zu verhindern, darf nach vorheriger Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde der Wasserspiegel durch künstlich eingebrachte Röhren reguliert werden. Bei rechtlichen Fragen zum Biber können Sie sich direkt per E-Mail biber@kreis-gr.de an die Untere Naturschutzbehörde wenden. Sollten Sie Fragen zu diesem Projekt bzw. Interesse an Infoveranstaltungen haben, können Sie sich gern mit Kay Sbrzesny vom Landschaftspflegeverband „Oberlausitz“ e. V. unter 1 035828 70414 bzw. E-Mail: lpv.ol.ev@gmail.com des in Verbindung setzen (siehe auch http://www.lpv-oberlausitz.de). Das Projekt „Geschützte Arten und ihre Lebensräume in der östlichen Oberlausitz“ wird durch die Richtlinie „Natürliches Erbe“ gefördert. * FFH-Richtlinie: Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen ist eine Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union, SPA-Richtlinie: Vogelschutzrichtlinie der Europä-schen Union

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